.....an einem heißen Augusttag um die Mittagszeit in Innsbruck / Tirol Mitte der Siebziger.
Ganz genau also am 9. August 1974. Ich hatte das große Glück, in einer recht charismatische Familie aufzuwachsen, die zu meiner Geburt aus meinem Vater, meiner Mutter, zwei älteren Brüdern und vielen Verwandten von Seiten beider Eltern bestand. Acht Jahre nach mir wurde noch meine kleine Schwester geboren. Ich wuchs im älteren Kern von Völs auf, ein Dorf, das sich inzwischen zur Peripherie von Innsbruck entwickelt hat. In den 70ern war das eine interessante Mischung aus ursprünglichen Dörflern, neu zugezogenen Tirolern, sowie den ersten türkischen und jugoslawischen Gastarbeiterfamilien. Im Schutze unseres Hauses an der Völser Bahnhofstraße und den Nachbarshäusern verbrachte ich eine sehr freie Kindheit. Mein Vater leitete ein Transportunternehmen, in dem temporär die ganze Familie beschäftigt war. Manchmal stellte er aus Platzmangel kaputte Unfallautos in unserem Garten ab. Zeitweise stapelte er sie sogar. Zum Leidwesen meiner Mutter, zur Freude von uns Kindern.So war ich schon früh Besitzerin eines Wohnwagens, der uns Kindern über Jahre als "Basis" diente. Auf dem angrenzenden Grundstück stand ein ehemaliges Gasthaus, in dessen Kellergewölben noch das Geschirr und andere Utensilien eingelagert waren. Ein riesiger Rohbau dominierte dieses dreistöckige Haus. Darin waren Unmengen von Kartons und Holz gelagert und ein halbfertiges Schwimmbecken machte das ganze sehr bizarr. Erst etliche Jahre später wurde dieser Bau vollendet. Natürlich trieben wir uns auch dort herum.
Ich glaube aber, das schönste für uns war der wuchernde Garten vom dritten Nachbarhaus. Darin gab es uralte Laub- und Nadelbäume, Beerensträucher, Zwetschkenbäume, Blumen, Tiere, eine Hängematte und alles in allem für uns Kinder eine riesige Fläche zum Toben und Klettern. Im Aufschwung der siebziger Jahre arbeiteten unsere Familien beständig an ihrem beruflichen Weiterkommen und so waren wir zwar recht behütet, aber in der Freizeit ganz auf uns selbst gestellt. Computer und Fernsehen hatten noch wenig Einfluss auf uns. Wir "erfanden" einfach die tollsten Spiel, Rituale und Fantasiereisen. In dieser Zeit wurde sicher ein wahrer, ernster Grundstock meiner heutigen Kreativität gelegt. Nachbarn von uns hatten ein Klavier und die drei Töchter gingen aufs Gymnasium oder studierten. Gerne war ich dort auf Besuch, "spielte" dort auf dem Klavier und mit dem Hund. Dort bekam ich das erste Mal den "Erlkönig" vorgelesen oder " Die Brücke am Tay" , die mir heute noch in den Ohren zischt. Es umgaben mich verschiedene Welten, in einem kleinen und überschaubaren Feld, die ich aufsuchen konnte, wann immer es mir in den Sinn kam. Ich galt als sehr gute, wenn auch als sehr freche Schülerin, und Volks- und Hauptschule in Völs belasteten mich sehr wenig. Mit 13 erfuhr ich von der Möglichkeit, angewandte Malerei an der Kunstgewerbeschule in Innsbruck zu erlernen. Zeichnen, malen und bauen mit Hammer und Nägeln waren in meinem Leben so integriert und geliebt, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, dass es für so wunderbare Dinge eine Schule gibt. Daraufhin lehnte ich alle anderen Ausbildungsmöglichkeiten ab.
Ich besuchte in den Jahren 1988-1992 die Kunstgewerbeschule für Angewandte Malerei in Innsbruck, vertiefte mich in verschiedene Maler, vor allem in Egon Schiele und Paul Klee. Nachmittagsweise hing ich im Innsbrucker Ferdinandeum für zeitgenössische Kunst herum oder in Buchhandlungen für Kunstbücher und Farbhandlungen. Durch die hohe Stundenanzahl in der Schule nabelte ich mich mehr und mehr von zu Hause ab.
Im ersten Schuljahr wurde ich als österreichische Vertretung zu einem Umweltkongress von Dr.Hans Levander,einem Nobelpreisträger, und seiner Friedensorganisation "Life Link"nach Schweden geschickt. Menschen aus 30 verschiedenen Nationen waren dort vertreten und wir erhielten Vorträge und Fakten zu politischen und sozialen Themen und Problemen. Mit den dort kennen gelernten Freunden unterhielt ich regen Briefkontakt, eine Freundschaft besteht bis heute. Mein Englisch wurde besser und jegliche Distanz zu anderen Nationen und Sitten verlor sich. Meine Reiselust und Neugierde auf alles über dem Tellerrand wuchs mehr als zuvor. Der Schuss ging allerdings etwas nach hinten los, denn plötzlich ließ ich an Österreich und Tirol kein gutes Haar mehr. Ich begann, jede Chance zu nutzen um zu reisen, dabei war ich immer auf der Suche nach skurrilen Museen oder zeitgenössischen Ausstellungen.
In meinem Abschlussjahr der Kunstgewerbeschule, 1992, wurde die HTL - Galerie in der Innsbrucker Anichstraße gegründet. Die erste Ausstellung wurde ehemaligen Schülern gewidmet, die als Künstler ihr Leben fortsetzten. Für die Folgeausstellung drehte man das Motto zu "Jetzige Schüler - zukünftige Künstler ". Die Möglichkeit dort auszustellen bot man mir an. Unterstützung bei der Organisation erhielt ich vom Leiter Leo Gorfer, von Künstlerin Mag. Elfriede Gerber und Dr. Magdalena Hörmann. Zu meiner Faszination wurde diese Ausstellung ein Erfolg und die Kritiker spendeten Lob.
Mit Beendigung der Kunstgewerbeschule stand für mich fest, dass ich selbst freischaffend
arbeiten wollte. Ich führte Gespräche mit Assistenten an der Akademie in Wien, aber mit 17 Jahren war mir Wien zu fern und zu nah gleichzeitig. Ich nahm für ein Jahr eine Stelle in Innsbruck als technische Zeichnerin an. Was mir außer dem Studium am meisten im Kopf herumspukte war allerdings eine lange Indienreise. Ohne irgendetwas wirklich Wichtiges über diese Land zu wissen, trat ich meine Reise Anfang August 1994 an. 5 Monate Indien, die Konfrontation mit diesem Land, seine Gegensätze und viele Stunden allein haben mich sicher verändert. Doch auch der Glaube an ein in sich geschlossenes System dem wir Menschen folgen, wurde für mich auf dieser langen Reise spürbar. Auch heute noch gibt mir diese Zeit das Gefühl, etwas Einzigartiges und Wundersames erlebt zu haben.
Ich beschäftigte mich in Indien mit der Kunst der Tempel und besuchte etliche, unabhängig welcher Religion. Der unglaublichste Anblick waren für mich die buddhistischen Höhlen von Ajanta und Ellora im Bundesstaat Gujarat nördlich von Bombay (Mumbai). Wobei am Standort Ellora nicht nur die Kunst Beachtung verdiente, sondern auch die Tatsache, dass drei Religionsgemeinschaften ( Ians, Hinduisten, Buddhisten) in Frieden miteinander lebten und ihren religiösen Riten folgten.
Nach meiner Heimkehr, das Leben aus dem Koffer inzwischen gewöhnt, flog ich bald wieder weiter nach London und später in die Schweiz. Kurz vor meiner Abreise nach Indien war ich am Mozarteum in Salzburg für den Studienzweig Bühnenbild aufgenommen worden. Ich trat das Studium aber nie an. Bei meinen kurzen Aufenthalten in Innsbruck malte ich. Ich hatte inzwischen ein Gemeinschaftsatelier, den Bogen 24 bezogen. Ein geschlossener Bogen unter einem Eisenbahnviadukt, ohne fließendes Wasser, aber ein beständiger Ort für ein Atelier. Nach einem halbjährigen Aufenthalt in der Schweiz kehrte ich dauerhaft nach Tirol zurück. Im Sommer 1996 gebar ich meinen Sohn Loris. Im Winter 1998 kam mein Sohn Fabian zur Welt. Ich bemühte mich sehr, Kunst und Kinder unter einen Hut zu bringen, wobei meine Kinder in den ersten Jahren sicher Priorität hatten und ich weniger Ausstellungen machte und die Kunstszene leider nur aus der Entfernung beobachten konnte. Im Jahr 2000 pachtete ich in Innsbruck das Gasthaus "Lewisch", eine städtische Institution. Ich genoss diese Zeit. Das Gasthaus wurde mein neues offenes Wohnzimmer. Nach und nach fanden sich immer mehr Künstler ein und ich lernte, Kunst und Familie wieder auf einen Nenner zu bringen. Aus privaten Gründen trennte ich mich nach zwei Jahren wieder vom Gastgewerbe und meinem "geliebten" Lewisch. Einige Kunstplakate von mir, wie "dada1-das Fest" (siehe dada in der Adressleiste dieser Homepage) hängen immer noch in den Schankräumen des florierenden Gastbetriebes.
Seit 2007 nehme ich wieder regelmäßig an Ausstellungen und Projekten teil, und das Netzwerk zu anderen Künstlern wächst nahezu täglich. Anfang 2007 wurde der Katalog "Heidi Holleis -79 Bilder"mit Unterstützung von Land Tirol und Stadt Innsbruck gedruckt und viele weitere Puplikationen folgten. Seit 2002 lebe ich mit meiner Familie am Achensee in Tirol. Mit Jänner 2010 eröffnete ich in Jenbach ein Atelier mit einer offenen Kommunikationsfläche, einer Galerie und einer großen Malwerkstätte , in das jeder herzlich eingeladen ist.
"Die Kunst, als Idealist und Humanist zu überleben, ist mit Sicherheit die größte Kunst."
Heidi Holleis, Tratzbergstraße 2, 6200 im Zentrum von Jenbach, Tirol, Österreich
