Von Robert Tribus
"was die kann, kann ich auch. schnell ein paar striche und flächen hinsudeln und dann noch geld dafür verlangen." bemerkungen (evokationen) eines menschen mit eher engstirniger kunstauffassung, oder meinetwegen subjektiver betrachtungsweise und vielleicht auch eine spur selbsteingefädelter neid. natürlich kann er/sie das auch, hat es bereits im zarten babyalter können und es im "fortschrittlichen (?)" alter wieder verkommen lassen.
-pech für ihn, denn er hätte ja das große geld machen können.
heidi holleis (geboren 1974) hat dieses kosmische geschenk nicht verkommen lassen und verdient trotzdem (noch) kein geld damit, denn heidi holleis lässt sich zeit zum malen eines abstrakten bildes
lässt man sich das entstehen eines ihrer bilder schildern, so kommt man in den versuch, an schwerarbeit eines schmiedes (schmiedin) zu denken. sie gibt eine grundschicht auf die leinwand (oder andere untergründe) lässt sie trocknen, klopft mit hämmern und ähnlichen instrumenten darauf, bis partikel dieser schicht abbröckeln , trägt die nächste schicht auf , lässt sie wiederum trocknen, klopft abermals darauf und sofort ,bis sich aus dem bild vertiefte, bzw. erhaben strukturen herauskristallisieren.
zuerst das abmischen der farben, denn auch da lässt sich holleis viel zeit.
mit der gewandheit einer köchin schlägt sie ein rohes ei, welches exakt in der mitte geteilt werden muss, in einen behälter, füllt eine eierschalenhälfte mit mastix und gibt die andere hälfte mit leinöl hinzu, mischt die pigmente der gewünschten farbe darunter, vermischt das ganze gut und taucht den pinsel in dieses gemisch.
Doch dann hält der in farbe getauchte pinsel 2 cm vor dem strukturellen hintergrund, der bei heidi holleis oft auch vordergrund ist, inne und im kopf der malerin vollzieht sich nun etwas, das ihr unbekannt bzw nur erahnbar ist, weil:
"die normalen werke der abstrakten malerei entspringen der gemeinsamen quelle aller künste; der intuition" (kandinsky)
sie selbst definiert intuitiv ihre malerei als "mystischen expressionismus". und diese intuition nun lässt den pinsel zum dirigentenstab mutieren.
"ich wollte nur sagen , dass die verwandtschaft zwischen malerei und der musik offensichtlich ist" (kandinsky)
dass bedauerlicherweise die abstrakte (nonfigurative) malerei nach beinahe 90 jahren noch immer belächelt und beschimpft wird, und sie diesen verwünschungen stand gehalten hat, bestätigt die kraft dieser bewegung. belächelt und beschimpft und vielleicht deshalb , weil sich diese kunstbewegung die freiheit nimmt, gegenstandslos zu malen was für manche betrachterInnen unmut auslöst. ähnlich der musik, deren takte sich nicht nach den bewegungen des herzklopfens richten und sich so dem pränatalen gefühl der geborgenheit entzieht.
am bsp. "eine leere leinwnd; was für frevel, eine gemeine frechheit, sowas für kunst zu erklären !!" würde der oben zitierte engstirnige mensch wohl proklamieren.
Dabei hat vor gar nicht allzu langer zeit eine leere leinwand, mit dem statement, dass "schon der alleinige erwerb einer leinwand kunst ist" die preise für kunstgemälde in den keller purzeln lassen.
leere leinwand:
SCHEINBAR: wirklich leer, schweigend, indifferent. fast stumpfsinnig
TATSÄCHLICH: voll spannung mit tausend leisen stimmen, erwartungsvoll. etwas erschrocken, das sie vergewaltigt werden kann, aber sorgsam, sie tut gern was man von ihr verlangt, bittet nur um gnade. sie kann alles tragen, aber nicht alles ertragen - sie verstärkt das wichtige, aber auch das falsche und dem falschen verzehrt sie unbarmherzig das gesicht. sie verstärkt die falsche stimme zum grellen gebrüll - unmöglich zu ertragen. wunderbar ist die leere leinwand - schöner als manche bilder (kandinsky)
