Im Innsbrucker Mittelgebirge schaltet und waltet seit den 80er Jahren eine Künstlergruppe namens Kunstkollektiv Oberperfuss, kurz KUKO. Dieser Gruppe entspringt wiederum die Subkulturzeitschrift Artefact, welche regelmäßig erschien und sich immer einem besonderen Thema widmete.
Für November 2001 war eine Ausgabe zum Thema Dadaismus geplant.
Als "Lewisch-Wirtin" bei der Arbeit.
Zu dieser Zeit war ich Pächterin des Gasthaus Lewisch in der Innsbrucker Bienerstraße, Stadtteil Saggen, im Villenviertel von Innsbruck. Alteingesessen bei Anwohnern, Studenten, Künstlern und Arbeitern, ist das Lewisch eines der letzten originalen Innsbrucker Gasthäuser mit Beisl-Charakter.
Ich hatte es mir zum Anliegen gemacht, hier Kunst und Diskussion zu fördern.
Aufgrund des stark gemischten Publikums konnte man hier bei der Meinungsvielfalt aus dem Vollen schöpfen und Menschen einbinden, die wenig mit Kunst zutun hatten.
Das Lewisch
Dieses Foto entstand um 1920 für eine Ansichtskarte.Foto aus Privatsammlung ; " Vom Wirtshaus zum Grandhotel " Peter Walder-Gottsbacher, Studienverlag Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Ich lud die Gruppe ein, die Artefact im Lewisch zu präsentieren.Zusammen mit Robert Tribus organisierten wir Künstler aus dem Südtiroler und Tiroler Raum und planten mit ihnen einen dadaistischen Abend.

http://www.kukoo.at/artefact/art_8.htm
"Dada - das Fest" war geboren.
Dada-Plakat
Dada Einladung/Vorderseite
Dada Einladung/Rückseite
Menüplan der Dada- Speisekarte
Speisekarte/Vorderseite
Suppen: Gedichtesuppe/Spießersuppe
= Rindssuppe mit Buchstabennudel
= Gemüsesuppe
Fleisch: Hugos
= Hendlhaxn stehend in Brotring
mit Teigflügerl und Krone mit verschiedenen Dips
Fleisch Fleisch: Lewische
= Dreieckige Schnitzel mit Kartoffelsalat
Puffins
=ganz ohne Fleisch
Süsses: Dada iss Mus
=Dunkle und weisse
Schokolademouse mit Früchtegarnitur
Speisekarte/Rückseite
Schürzen der Kellnerinnen Petra Sandgruber und Heidi Holleis
Raoul Schrotts Bücher dokumentieren die tiroler Dada-Epoche
Künstler wie Hans Arp, Max Ernst, Tristan Tzara,.....hatten in den Jahren 1921 /22
im tiroler Raum ( Tarrenz, Reutte, Innsbruck,...) gelebt und gearbeitet.
Das Fest beginnt
Begrüßt wurden alle Gäste einzeln an der Tür mit einem persönlichen Gedicht zum Umhängen, aus einem Gedichtband von Hugo Ball
Martin Marberger wollte schon am Beginn seiner Eröffnungsperformance alle Besucher wieder aus dem Haus jagen. Sein Auftritt als nörgelnde Putzfrau mit Staubsauger und Handy irritierte sicher einen Großteil der Gäste.
Ich glaube Maya Brugger-Tschimben war die erste Nackte im Gasthaus Lewisch. Bemalt mit schwarzen Augen auf weißem Körpergrund duschte sie singend mit schwarzer Farbe in einer Zinkwanne in der Gaststube.

Weitere Fotos unterhttp://www.kukoo.at/artefact/art_8.htm
Tribus Robert rezitierte Gedichte im Nachtgewand.
Joshi Hà rs spielte auf dem Alphorn, welches die gesamte Länge des Gastraumes ausfüllte
und Nikolaus Walch unerstützte ihn am Horn.
Nikolaus sprach dazu im Rhythmus die Texte von Ernst Jandl.
"Der Schützengraben" von Ernst Jandl
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
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tzngrmm
tzngrmm
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schtzn
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t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tssssssssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t.t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt
Paul Heis gab musikalisches von sich.
Daniel Oberegger verzauberte nebst seiner geometrischen Papierkugel im Hinterhof für eine Stunde mit immer neuen Banalitäten aus seinem Koffer. Er erzählte Geschichten, spannte Bänder durchs Lokal und zeigte Spielsachen in die Runde. Er folgte einem nie endenden Redefluss aus dem Reich der Fantasie. Und erwachsene Menschen blieben vor Verwunderung stumm und staunten wie Kinder.
Daniel Oberegger in Aktion
Zwischen den Programmen konnten wir die Artefakt verkaufen.
Zum dadaistischen Informationstunnel wurde der Gang im Lewisch.
Tapezierte Wände mit bemalten Buchseiten zum Thema von Heidi Holleis.
Andrea Brecher spielte aus einer blauen Plastiktonne heraus Klarinette, die bereits Minuten vor ihrem Auftritt mit anderen leeren Tonnen wahllos unter die Gäste gestellt wurden. Erst zum Schluß gab sie sich als selbstbetörende Schlange aus der Tonne zu erkennen.
Auch Wolfgang Mathies gab selbstgeschriebenes zum Besten http://www.kukoo.at/artefact/art_8.htm
Zurück blieb im Gasthaus Lewisch ein riesen Saustall, gemischt mit gewaltig schönen Erinnerungen an verschiedenste Künstler, Humor, Fantasie und kleinen Provokationen.
Und alles unter dem Wind dadaistischer Luft.
Witzigerweise wurde der Film zum Fest unabsichtlich gelöscht. Dada lebte sich also an diesem Abend selbst. Durch Bekämpfung aller -ismen zerstört Dadaismus ergo sich selbst.
Unter den Künstlern wirkten mit:
- Martin Marberger : Eröffnungsperformance
- Gudrun Pechtel : Denkerin und Köchin für das Dada - Essen
- Kunstkollektiv Oberperfuß : Präsentation der Artefact
- Paul Heis : Dada und die Musik
- Nikolaus Walch
und Josef Hà rs : Vertonung von Ernst Jandl Gedichten mit Alphorn und Horn - Andrea Brecher: Klarinette und als Schlange aus der Mülltonne
- Wolfgang Mathies : Literat und Vortragender
- Daniel Oberegger : Performance, Dichtung und Konstruktör einer Papierkugel
- Maja Brugger - Tschimben: Schauspiel, Gesang und Model für Körperkunst
- Robert Tribus : Programmgestalter, Schauspiel, Körperkünstler und Grafik
- Heidi Holleis : Idee, Installationen, Grafik, Requisite und Organisation

